VIPe – Vorbereitung

Oder: Warum ich mit einem ChatGPT‑Abo und einer SPEC.md anfange, statt mit einem „magischen“ Flow‑State

Vorbereitung

Cursor, Windsurf, Claude 3.5 Sonnet, Bolt.new, Cline, Lovable, Replit Agent, GitHub Copilot Edits. Die Liste der Tools, die angeblich „alles für dich erledigen“, wird täglich länger. Aber am Ende läuft es auf eine pragmatische Erkenntnis hinaus:

  • Ich habe ein laufendes OpenAI‑ChatGPT‑Abo mit Zugriff auf Codex.
  • Das wars.
  • Kein Benchmark, kein Warm‑up, kein „Ich teste mal vorher ein paar Prompts“.
  • Alles, was jetzt kommt, ist ein First Shot.

Zwar mit versilberten Kugeln, Erfahrung, einem Zielfernrohr und absolut windstillem Wetterfähnchen — aber eben trotzdem: erster Durchlauf.

Was auch bedeuten könnte, dass diese Post‑Serie sehr kurz wird. Oder sehr lang. Oder sehr chaotisch. Oder sehr lehrreich. (Realistisch betrachtet: alles gleichzeitig.)

Die eigentliche Vorbereitung

Eine Idee. Ein Ziel. Ein übersichtlicher Tech‑Stack. Und ein paar Prinzipien, die ich seit Jahren nicht loswerde:

KISS, YAGNI, VANILLA Meine drei Kugeln Eis. Ohne Sahne. Mit Streusel. Mit einem Streusel.

Also kein Hexenwerk. Wald‑ und Wiesen‑Anforderungen. Ein Projekt, das man in der Ausbildung bekommt, wenn der Dozent einen schlechten Tag hat.

Und all das nicht in der Waffel und nicht im Becher, sondern in einer SPEC.md.

SPEC.md – Die Grundlage für VIPe

Ich habe die SPEC nicht geschrieben, um die KI zu beeindrucken. Ich habe sie geschrieben, damit ich nicht den Überblick verliere.

Denn VIPe — Vibe‑Inspired Prompt Engineering — bedeutet nicht, dass man „aus dem Bauch heraus“ promptet. Es bedeutet, dass man den Vibe in Struktur übersetzt.

Und diese Struktur ist die SPEC.md.

Sie definiert:

  • Runtime
  • Docker Setup
  • Routing
  • Domain Layer
  • Datenmodell
  • JSON‑LD
  • Auth
  • Audit
  • Observability
  • Tests
  • MVP Scope
  • Implementierungsplan

Kurz: alles, was ein Mensch bräuchte, um das System deterministisch zu bauen. Und alles, was eine KI braucht, um nicht zu improvisieren.

CODING_FLOW.md – Der VIPe‑Prozess in Aktion

Der zweite Baustein ist der CODING_FLOW.md. Er ist das, was VIBE‑Coding nie hatte: eine exakte Reihenfolge.

Jeder Schritt besteht aus:

  • einem Ausführungs‑Prompt
  • einem Review‑Prompt

Codex arbeitet sie sequenziell ab. Keine Abkürzungen. Keine spontanen Eingebungen. Keine „Ich dachte, das wäre besser so“-Momente.

VIPe heißt: Der Vibe bestimmt die Richtung. Die SPEC bestimmt die Regeln. Der Flow entsteht aus der Iteration.

Warum das alles?

Weil ich sehen will, ob KI‑gestützte Entwicklung funktioniert, wenn man:

  • nicht improvisiert
  • nicht träumt
  • nicht „mal eben“ etwas ausprobiert
  • sondern strukturiert, reproduzierbar und dokumentiert arbeitet

Und weil ich wissen will, ob ein System wie dieses:

  • API‑first
  • DSGVO‑konform
  • JSON‑LD‑basiert
  • auditierbar
  • testbar
  • deterministisch

…von einer KI gebaut werden kann, wenn man ihr die richtigen Leitplanken gibt.

Der Moment vor dem ersten Prompt

Repo angelegt. Prompts geschrieben. SPEC steht. Flow steht.

Und so langsam juckt es mich in den Fingern, den ersten Prompt ins Chatfenster zu posten.

„Das könnte funktionieren. Kann man so machen. Und wird hoffentlich nicht scheiße.“