Wenn der Workflow stolpert – oder: Wie schnell ein LLM aus der Spur läuft
Das Schlimmste, was in diesem iterativen Prozess passieren kann, ist nicht ein Fehler. Fehler sind okay. Fehler sind sichtbar.
Das wirklich Gefährliche ist eine Unterbrechung.
Ein kleiner Bruch im Ablauf, ein fehlender Zwischenschritt, ein Prompt, der nicht vorbereitet war – und plötzlich driftet der ganze Prozess ein paar Grad aus der Spur.
Genau das ist mir bei Prompt 5 passiert.
Ich wollte eigentlich nur den vorbereiteten „Review + Spec‑Abgleich“ einfügen.
Ein Schritt, der sonst völlig mechanisch abläuft: Copy, Paste, Weiter.
Aber der Baustein fehlte.
Und statt kurz zu stoppen, habe ich ihn neu geschrieben.
Aus einer simplen Frage wie „Funktioniert das Routing korrekt?“ wurde plötzlich ein hochdetaillierter, fast schon überambitionierter Prüfplan.
Aus dem Bauch heraus klang das sogar richtig.
Formal korrekt.
Sauber strukturiert.
Aber eben auch: eine Einladung an das LLM, sich vom „Coding Monkey“ zum „übermotivierten Architekten“ aufzuschwingen.
Und das ist der Punkt, an dem man im VIBE‑Coding‑Prozess hellhörig werden muss.
Der Drift
Hier ist der Moment, an dem der Zug leicht aus der Spur geraten ist.
Ich habe den fehlenden Review‑Prompt neu formuliert – und er sah plötzlich so aus:
API‑Routen gemäß SPEC.md
POST /api/v1/auth/login
GET /api/v1/me
Employee CRUD:
GET /api/v1/employees
GET /api/v1/employees/{id}
POST /api/v1/employees
PUT /api/v1/employees/{id}
DELETE /api/v1/employees/{id}
Prüfen:
Stimmen die Pfade exakt?
Werden Query‑Strings korrekt durchgereicht?
Wird FastRoute gemäß SPEC verwendet?
Werden PSR‑7 Requests korrekt erzeugt?
Wird SapiEmitter genutzt?
Das ist nicht falsch.
Aber es ist auch nicht mehr das, was ich ursprünglich wollte.
Es ist zu viel.
Zu detailliert.
Zu „architektonisch“.
Und damit eine Steilvorlage für das LLM, sich in Strukturen zu verlieren, die ich nie beauftragt habe.
Der Prozess lebt davon, dass jeder Schritt minimal ist.
Minimal technisch.
Minimal interpretierbar.
Minimal offen für kreative Ausschläge.
Wenn ich an dieser Stelle nicht sofort gemerkt hätte, dass der Prompt zu groß geworden ist, hätte Codex im nächsten Schritt angefangen, Dinge zu „optimieren“, die gar nicht zur SPEC gehören.
REVERT und weiter geht’s
Also: zurück auf Anfang.
Den Prompt verworfen.
Den vorbereiteten Baustein wiederhergestellt.
Workflow repariert.
Und genau das ist die eigentliche Erkenntnis aus diesem kleinen Ausflug:
Es ist ein Verstärker.
Wenn du ihm einen klaren, kleinen, präzisen Schritt gibst, liefert es genau das.
Wenn du ihm einen zu großen Schritt gibst, liefert es eine zu große Antwort.
Wenn du ihm einen unklaren Schritt gibst, liefert es Chaos.
Der iterative Prozess funktioniert nur, wenn jeder Schritt exakt vorbereitet ist.
Fehlt ein Baustein, entsteht sofort Drift.
Und Drift ist der Feind.
Also: REVERT.
Weiter geht’s.
Prompt 5 wartet darauf abgeschlossen zu werden.