Bevor irgendetwas passiert, bevor Codex auch nur eine Zeile Code ausspuckt, steht dieser erste, fast schon unscheinbare Schritt: der Startprompt. Der Moment, in dem ich der Maschine sage:
„Lies die SPEC.md. Halte dich dran. Keine eigenen Ideen.“
Wenn du die SPEC.md gelesen hast, weißt du, wie viel da drinsteht. Wie viel Struktur, wie viel Vorgabe, wie viel „Bitte nicht improvisieren“. Es ist ein bisschen, als würde man jemandem ein 200‑seitiges Handbuch in die Hand drücken und dann sagen:
„So, und jetzt bitte bestätigen, dass du alles verstanden hast.“
Genau das passiert hier. Der Startprompt ist kein Code, kein Dockerfile, kein Routing – sondern ein reiner Abgleich:
Hast du verstanden, was ich von dir will?
Codex antwortet brav: „Verstanden — ich lese jetzt SPEC.md vollständig und arbeite danach strikt gemäß der dort festgelegten Vorgaben.“
Und dann folgt dieser Moment, der sich anfühlt wie der Anfang eines Crichton‑Kapitels: Die Maschine öffnet die SPEC.md, scrollt durch, analysiert, bestätigt. Technisch unspektakulär. Konzeptionell entscheidend.
Hier beginnt die eigentliche Zusammenarbeit. Hier wird der Rahmen gesetzt, in dem alles Weitere passiert. Kein VIPe ohne dieses „Okay, ich weiß, was du willst“.
Natürlich schwingt da Unsicherheit mit. Wenn man eine SPEC schreibt, hat man im Kopf ein Bild, eine Vorstellung, eine Art inneren Film. Aber was am Ende rauskommt, ist immer irgendwo zwischen Vision und Realität. Das gilt für Entwickler, für Product Owner:innen – und jetzt eben auch für LLMs.
Der Startprompt ist also weniger ein Befehl und mehr ein Vertrag:
Ich liefere die Richtung, du lieferst die Umsetzung.
Ob das Ergebnis am Ende so aussieht, wie ich es mir vorstelle? Keine Ahnung. Aber genau das ist Teil des Experiments.
Und damit ist der erste Schritt getan. SPEC gelesen. Verständnis bestätigt. Rahmen gesetzt.
Jetzt juckt es mich in den Fingern, endlich Prompt 1 abzuschicken und zu sehen, wie die Maschine die Bühne betritt.